Stell dir vor, du zündest eine selbstgemachte Kerze an und der Raum füllt sich nicht mit einer schweren, künstlichen Parfümwolke, sondern mit dem subtilen, frischen Duft echter Pflanzen. Viele Kerzenhersteller träumen davon, 100% natürliche Produkte mit ätherischen Ölen zu kreieren. Es klingt nach dem idealen Szenario, doch in der Praxis erleben Anfänger oft Enttäuschungen: Die Kerze duftet beim Abbrennen kaum oder die Flamme flackert unruhig.
Die Arbeit mit ätherischen Ölen in Kerzen ist eine Kunst für sich. Im Gegensatz zu synthetischen Duftölen, die speziell für eine stabile Leistung in heißem Wachs entwickelt wurden, sind ätherische Öle flüchtige, komplexe Naturprodukte. Man muss genau wissen, wie man diese kostbaren Essenzen sicher und effektiv einsetzt, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen.

Der Unterschied zwischen ätherischem Öl und Duftöl
Bevor du mit dem Gießen beginnst, ist es entscheidend zu verstehen, dass sich ätherische Öle grundlegend von ihren synthetischen Pendants unterscheiden. Die Entscheidung zwischen Duftöl versus ätherisches Öl ist oft eine Abwägung zwischen purer Natur und Duftintensität. Synthetische Duftöle werden im Labor so designt, dass sie sich optimal mit Wachsarten wie Paraffin oder Soja verbinden und während des Brennens für eine kräftige Duftverbreitung sorgen – in der Fachsprache auch „Hot Throw“ genannt.
Ätherische Öle hingegen sind reine Pflanzenextrakte. Sie sind meist deutlich flüchtiger, was bedeutet, dass sie bei hohen Temperaturen schneller verdampfen oder ihr Duftprofil verändern können. Wie du in unserem Ratgeber über Duftöl in Kerzen nachlesen kannst, punkten synthetische Öle oft mit Stabilität, lassen aber die therapeutischen Eigenschaften vermissen, die ätherische Öle bieten. Wer sich für die reine Natur entscheidet, muss daher besonders auf den Flammpunkt und die Dichte des Öls achten.
Welche ätherischen Öle eignen sich für Kerzen?
Nicht jedes ätherische Öl ist für die Verwendung in Kerzen geeignet. Zarte Blütenöle können verbrennen, bevor sie ihren Duft überhaupt entfalten, während schwere Harze dazu neigen, den Docht zu verstopfen. Für Kerzengießer ist der Flammpunkt der wichtigste Indikator für die Flüchtigkeit eines Öls. Gibst du ein Öl mit niedrigem Flammpunkt in zu heißes Wachs, verdampft ein Großteil des Duftes sofort in die Raumluft, anstatt im Wachs gebunden zu werden.
Zitrusöle wie Zitrone, Orange und Bergamotte haben in der Regel einen niedrigen Flammpunkt (oft um die 60–65 °C). Sie riechen herrlich frisch, verfliegen aber schnell, wenn das Wachs zu heiß ist. Holzige und harzige Öle wie Zedernholz, Patchouli und Weihrauch fungieren als stabile Basisnoten und bleiben während des Brennens länger erhalten. Erfahrene Kerzenmacher kombinieren daher oft eine flüchtige Kopfnote mit einer stabilen Basisnote, um das beste Ergebnis zu erzielen.
Hier sind einige beliebte ätherische Öle, die in Kerzen gut funktionieren – von frischen Kopfnoten bis hin zu tiefen Basisnoten wie beruhigendem Weihrauch, kräftigem Rosmarin, frischer Bergamotte sowie würzigem Salbei und Anis:
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Dosierung und Verarbeitung
Ein weitverbreiteter Irrtum ist die Annahme: „Viel hilft viel.“ Doch zu viel ätherisches Öl kann die Struktur des Wachses destabilisieren. Die Folge: Die Kerze beginnt zu „schwitzen“. Dabei tritt das Öl aus dem Wachs aus und sammelt sich an der Oberfläche, was beim Anzünden zu gefährlichen Stichflammen führen kann. Für die meisten Kerzenwachse, wie etwa Sojawachs, liegt die sichere und effektive Dosierung meist zwischen 6 % und 10 %. Das bedeutet, dass du auf 100 Gramm Wachs etwa 6 bis 10 Gramm ätherisches Öl verwendest.
Da ätherische Öle hitzeempfindlich sind, werden sie bei niedrigeren Temperaturen hinzugefügt als synthetische Duftöle. Schmilz dein Wachs und nimm den Topf vom Herd. Warte, bis die Temperatur auf etwa 60–65 °C gesunken ist (abhängig von der Wachssorte). Gib erst dann das Öl hinzu und rühre die Mischung ruhig, aber gründlich für mindestens zwei Minuten um. Dies ist entscheidend, damit sich das Öl fest mit den Wachsmolekülen verbindet und nicht sofort verdampft. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel über langanhaltende Kerzendüfte.
Nach dem Gießen ist Geduld gefragt. Besonders bei natürlichen Wachsen wie Soja- oder Bienenwachs muss die Kerze mindestens 1 bis 2 Wochen „reifen“ (Curing). In dieser Zeit verteilt sich das Öl vollständig in der kristallinen Struktur des Wachses, was für ein besseres Brennverhalten und eine schönere Duftabgabe sorgt.
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Sicherheit und Richtlinien
„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch „harmlos“. Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Substanzen. Für Kerzenhersteller sind die Richtlinien der IFRA (International Fragrance Association) maßgeblich, wobei Kerzen unter die Kategorie 12 fallen. Diese Standards legen fest, wie viel Prozent eines bestimmten Öls maximal verwendet werden darf, um Risiken auszuschließen. Auch wenn die Grenzwerte für Kategorie 12 oft großzügig sind (da kein direkter Hautkontakt besteht), kann der Duft bei der Verbrennung dennoch Reizungen der Atemwege verursachen.
Achte auch auf deine Haustiere. Einige ätherische Öle können für Katzen und Hunde giftig sein, wenn sie in hoher Konzentration eingeatmet werden. Sorge daher immer für eine gute Belüftung, wenn du Duftkerzen brennen lässt.
Den richtigen Docht und Behälter wählen
Ätherische Öle können die Viskosität, also die Zähflüssigkeit des geschmolzenen Wachses, verändern. Der Docht muss darauf abgestimmt sein. Ein schweres, harziges Öl kann einen Standard-Baumwolldocht schneller verstopfen. Holzdochte sind bei natürlichen Kerzen eine beliebte Wahl. Sie erzeugen oft mehr Hitze, kommen besser mit schwereren Ölen zurecht und sorgen zudem für ein gemütliches Knistern. Achte außerdem auf einen sicheren Glasbehälter, der hitzebeständig ist und dessen Durchmesser zum gewählten Docht passt.
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Schritt für Schritt zur eigenen Kerze
Bist du bereit für deine erste Kerze mit ätherischen Ölen? Dann ist Genauigkeit gefragt. Beginne damit, das Wachs im Wasserbad (*au bain-marie*) zu schmelzen. Währenddessen befestigst du den Docht mittig in deinem Behälter. Der kritische Moment ist die Zugabe des Duftes: Wiege dein ätherisches Öl präzise ab (nach Gewicht, nicht nach Volumen). Lass das geschmolzene Wachs auf die richtige Temperatur abkühlen – meist ca. 60–65 °C –, bevor du das Öl hineingibst. Rühre die Mischung nun mindestens zwei Minuten lang sanft um, um eine optimale Bindung zu gewährleisten. Gieße das Wachs in den Behälter, zentriere den Docht bei Bedarf noch einmal und lass die Kerze mindestens 24 Stunden fest werden. Vergiss nicht: Für das beste Dufterlebnis sollte die Kerze danach noch 1 bis 2 Wochen reifen.
Möchtest du noch tiefer in den Herstellungsprozess eintauchen? Dann lies unsere detaillierte Anleitung: Wie man eine Containerkerze herstellt. Kerzen mit ätherischen Ölen herzustellen erfordert etwas Experimentierfreude, aber sobald du dein perfektes Rezept gefunden hast, ist das Ergebnis die Mühe wert. Starte mit einfachen, unkomplizierten Ölen und führe ein Protokoll über Temperaturen und Mischverhältnisse.
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