Den richtigen Docht wählen: So vermeidest du Tunnelbildung und Rußen

Du hast das perfekte Duftöl ausgewählt, das Wachs sorgfältig geschmolzen und deine Kerze mit viel Liebe gegossen. Nach Tagen des Wartens ist der große Moment gekommen: Du zündest sie an. Doch statt einer ruhigen, atmosphärischen Flamme qualmt die Kerze wie ein Schornstein oder brennt stur in die Tiefe und hinterlässt einen Krater. Frustrierend, oder?

Das Geheimnis einer perfekten Kerze liegt nicht nur im Wachs oder im Duft, sondern vor allem im Herzstück deiner Kerze: dem Docht. Er ist sozusagen der Motor. Ohne den richtigen Antrieb wird dein Kerzenprojekt buchstäblich nicht richtig laufen.

Für Anfänger fühlt sich die Wahl des richtigen Dochtes oft wie ein Glücksspiel an, aber das muss nicht sein. Ganz gleich, ob du mit Sojawachs, Bienenwachs oder Paraffin arbeitest, das Prinzip ist immer dasselbe: Es geht um das richtige Gleichgewicht. In diesem Leitfaden erfährst du genau, wie du die passende Balance basierend auf Durchmesser, Wachsart und Kerzenform findest, damit du voller Selbstvertrauen mit dem Kerzen selber machen loslegen kannst.

Nahaufnahme einer handgegossenen Duftkerze in einem Glasgefäß mit geradem Docht und gleichmäßigem Schmelzbad, als Beispiel für einen gut gewählten Kerzendocht

Warum der Docht so wichtig ist

Ein Docht ist weit mehr als nur ein brennender Faden. Er fungiert im Grunde wie eine kleine Pumpe. Durch die Hitze der Flamme schmilzt das Wachs, und der Docht saugt diesen flüssigen Brennstoff durch die Kapillarwirkung nach oben zur Flamme.

Ist dein Docht zu klein, ist diese „Pumpe“ zu schwach. Die Kerze brennt einen schmalen Tunnel senkrecht nach unten („Tunneling“), und das Wachs am Rand schmilzt nicht mit. Schließlich ertrinkt die Flamme in ihrem eigenen Schmelzbad, weil sie nicht genügend Sauerstoff bekommt.

Wählst du hingegen einen zu großen Docht, arbeitet die Pumpe zu stark. Die Flamme wird zu hoch, beginnt unruhig zu flackern und erzeugt schwarzen Rauch (Ruß). Außerdem kann das Kerzenglas dabei gefährlich heiß werden. Das Ziel ist eine stabile Flamme und ein Schmelzbad (die flüssige Wachsschicht), das nach etwa 3 bis 4 Stunden Brenndauer den Rand des Glases erreicht.

Schritt 1: Den Durchmesser des Gefäßes messen

Alles beginnt mit der richtigen Größe. Nimm ein Maßband oder einen Messschieber zur Hand. Bei Containerkerzen (Kerzen im Glas) misst du immer den Innendurchmesser des Glases, nicht die Außenwand.

Bis zu einem Durchmesser von etwa 7,5 cm reicht in der Regel ein einzelner Docht aus. Das entspricht der Standardgröße vieler Whisky- oder Marmeladengläser, die im Hobbybereich oft verwendet werden.

Ist dein Behälter breiter als 8 oder 9 cm? Dann wird es für einen einzelnen Docht schwierig. Eine einzelne Flamme kann selten ein Schmelzbad von mehr als 76 mm Breite aufrechterhalten, ohne zu flackern. In diesem Fall benötigst du wahrscheinlich zwei (oder sogar drei) Dochte. Wenn du dich für das sogenannte „Double-Wicking“ entscheidest, teilst du den Gesamtdurchmesser durch zwei, um die richtige Dochtgröße zu ermitteln. Ein Gefäß mit 10 cm Durchmesser benötigt also zwei Dochte, die jeweils für einen Durchmesser von 5 cm ausgelegt sind.

Schritt 2: Die richtige Docht-Serie für dein Wachs wählen

Nicht jedes Wachs brennt gleich ab. Sojawachs ist beispielsweise zähflüssiger und verlangt nach einem kräftigeren Docht als Paraffin. Unten siehst du, welche Docht-Serie am besten zu deinem Projekt passt.

Für pflanzliches Wachs (Sojawachs, Rapswachs)

Pflanzliche Wachse sind im geschmolzenen Zustand dickflüssiger (viskoser). Du benötigst einen Docht, der etwas „heißer“ brennt und stabil genug ist – oft durch einen Papierkern oder eine spezielle Flechtung verstärkt. Die TCR-Serie ist oft der Favorit für Sojawachs. Dies ist ein geflochtener Baumwolldocht mit Papierkern, der für seine Eigenschaften gegen Tunnelbildung bekannt ist. Auch die Eco-Serie, ein flacher, kernloser Docht, wurde speziell für pflanzliche Wachse entwickelt. Du findest diese Typen oft als Kerzendocht auf der Rolle oder bereits vorgeschnitten.

Für Paraffin und Mischungen (Blends)

Paraffin verbrennt leichter als Soja. Ein Docht, der hier zu heiß brennt, führt sofort zu Rußbildung. Die Stabilo (CD)-Serie ist der Industriestandard für Paraffin und Mischwachse. Es handelt sich um einen flach gewebten Baumwolldocht mit einem Papierfaden, der für maximale Stabilität und eine schöne, ruhige Flamme sorgt.

Für Bienenwachs

Bienenwachs ist eine Klasse für sich. Es hat einen hohen Schmelzpunkt und ist sehr viskos. Ein normaler Baumwolldocht würde hier oft einfach „ertrinken“. Du benötigst einen dicken, Runddocht. Diese Dochte sind lockerer geflochten und rund geformt, speziell entworfen, um das zähe Bienenwachs effektiv nach oben zu transportieren.

Holzdochte

Liebst du dieses gemütliche Knistern? Holzdochte funktionieren in fast allen Wachsarten, erfordern aber exakt die richtige Breite. Wenn dein Holzdocht ständig ausgeht, ist er wahrscheinlich zu schmal für den Durchmesser deines Gefäßes, oder dein Wachs enthält zu viel Duftöl.

Schritt 3: Die Größentabellen (Richtlinien)

Diese Tabellen dienen als Orientierungshilfe, aber denke daran: Es sind nur Richtlinien. Die Menge an Duftöl und Farbstoff beeinflusst das Brennverhalten massiv. Eine dunkle, stark parfümierte Kerze benötigt oft einen größeren Docht als eine weiße Kerze ohne Duft.

Richtlinie TCR Dochte (Ideal für Soja)

Behälterdurchmesser Empfohlener TCR Docht
38 – 50 mm TCR 21/12
50 – 57 mm TCR 24/12
57 – 63 mm TCR 24/14
63 – 75 mm TCR 27/16
75 – 83 mm TCR 30/18

Richtlinie Stabilo (CD) Dochte (Ideal für Paraffin/Blends)

Behälterdurchmesser Empfohlener Stabilo Docht
45 – 50 mm Stabilo 6
55 – 60 mm Stabilo 8
60 – 65 mm Stabilo 10
65 – 70 mm Stabilo 12
70 – 75 mm Stabilo 14
75 – 80 mm Stabilo 16

Schritt 4: Testen, testen, testen

Leider gibt es keine Zauberformel, die immer funktioniert. Die goldene Regel des Kerzengießens ist daher der „Abbrandtest“. Fertige deine Kerze an und lass sie mindestens 48 Stunden aushärten. Bei Sojawachs ist Geduld noch wichtiger; wie wir in unserem Blog über 5 Dinge, die jeder Kerzenmacher-Anfänger wissen muss erklären, kann das Aushärten bei pflanzlichem Wachs gut ein bis zwei Wochen dauern.

Zünde die Kerze danach an und lass sie brennen, bis die gesamte Oberfläche geschmolzen ist. Als Faustregel gilt: 1 Stunde Brennzeit pro 2,5 cm Durchmesser. Beobachte die Flamme kritisch: Ist sie ruhig? Rußt sie nicht? Ist das Schmelzbad etwa 1 cm tief?

Bleibt nach 3 bis 4 Stunden Brenndauer ein dicker Rand harten Wachses am Glas kleben? Dann hast du ein Tunnelproblem und dein Docht ist wahrscheinlich zu klein („under-wicked“). Versuche es beim nächsten Mal eine Nummer größer. Bildet sich hingegen eine schwarze Kohlenstoffkugel am Ende deines Dochts (ein sogenannter ‚Pilz‘ oder ‚Mushrooming‘)? Das bedeutet oft, dass der Docht zu groß ist. Kürze deinen Docht vor dem Anzünden übrigens immer auf ca. 5 mm.

Brennt deine Kerze einseitig ab? Gut möglich, dass dein Docht beim Gießen nicht exakt mittig saß. Es lohnt sich nachzulesen, wie du verhinderst, dass dein Docht schief steht, denn ein zentrierter Docht ist entscheidend für eine sichere Verbrennung.

Container- vs. Stumpenkerzen

Die meisten Hobbyisten beginnen mit Containerkerzen, aber für freistehende Stumpenkerzen gelten etwas andere Regeln. Da eine Stumpenkerze kein Glas hat, das die Hitze speichert, benötigst du oft einen etwas dickeren Docht als für ein Glasgefäß desselben Durchmessers. Aber Vorsicht: Ist der Docht bei einer Stumpenkerze zu groß, schmelzen die Außenwände zu schnell durch und das flüssige Wachs läuft über deinen Tisch.

Für kleine Projekte wie Wax Melts brauchst du selbstverständlich gar keinen Docht. Achte hierbei jedoch darauf, eine spezielle Wachsmischung zu verwenden, die sich leicht in einer Duftlampe löst.

Den perfekten Docht zu finden, ist ein Prozess von Versuch und Irrtum. Beginne mit den Empfehlungen in den Tabellen oben und starte dein Experiment. Sobald du das perfekte Brennverhalten erzielt hast, weißt du, dass dein Rezept steht. Sieh dir unser gesamtes Sortiment an Kerzendochten an, um dein ideales Match zu finden.

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